Italien im Ersten Weltkrieg, im Faschismus und unter deutscher Besatzung(1915-1945)

Geschichte, Erinnerung und Vermi lung(Bozen/Passo Pordoi/Rovereto/Fossoli/Cumiana/Turin)


8–12 Minuten
1.866 Wörter

Exkursion des Lehrstuhls Didaktik der Geschichte

24.05. – 30.05.2026

Italien im Ersten Weltkrieg, im Faschismus und unter deutscher Besatzung (1915-1945)

Geschichte, Erinnerung und Vermittlung

Leitung:

Nadja Bennewitz M.A. (Hauptseminar: Italien im Faschismus und unter deutscher Besatzung: Geschichte, Erinnerung und Vermittlung)

Leonard Stöcklein (Seminar: Zentrale/Ausgewählte Fragestellungen: Der Erste Weltkrieg aus drei nationalen Perspektiven in der Geschichtskultur)

Fotodokumentation

Die Exkursion mit 19 Studierenden für das Lehramt Geschichte der beiden Seminare von Stöcklein und Bennewitz nach Norditalien führte in die Stadt Bozen in Südtirol, zur „Totenburg“, einer Kriegsgräberstätte am Passo Pordoi im Veneto, in das Museo della Guerra (M/ITA/G) in Rovereto im Trentino, zum ehemaligen NS-Durchgangslager Fossoli bei Carpi in der Region Emiglia Romagna und schließlich nach Cumiana und Turin im Piemont an Stätten deutscher Massaker an der italienischen Zivilbevölkerung.

Differenzierte Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg

Die vergleichende Perspektive zwischen Italien und Deutschland in Bezug auf Geschehen und Gedenken an den Ersten Weltkrieg bildete die zentrale Leitfrage des Seminars von Leonard Stöcklein. Die Schwerpunkte lagen dabei auf der Analyse von Denkmälern, des heroisierenden Gedenkens auf Soldatenfriedhöfen und der musealen Verarbeitung des Gebirgskrieges zwischen Österreich-Ungarn und Italien.

„Italianisierung“ und faschistische Architektur

In Bozen wurde die faschistische Instrumentalisierung des italienischen Sieges im Ersten Weltkrieg anhand des zentralen Siegesdenkmals und der umliegenden Architektur besonders deutlich. Expansionistische Bestrebungen und die „Italianisierung“ Bozens in der faschistischen Epoche wurden an weiteren architektonischen Zeichen, Gebäuden und stadtplanerischen Veränderungen behandelt, ebenso koloniale Diskurse und faschistische Kriege der 1930er Jahre. Der Historiker Dr. Hannes Obermair lieferte wertvolle Einblicke in die divergierenden deutsch-italienischen Erinnerungsdiskurse in der gespaltenen Stadt Bozen.

NS-Besatzung in Italien: Deportationen in die Vernichtung

Die Verbrechensgeschichte der deutschen Besatzung in Italien nach dem Sturz Mussolinis im Zweiten Weltkrieg und deren Vermittlung war ein dritter Fokus der Exkursion. Die deutsche Besatzung ab 1943 haben in Bozen lediglich Spuren in Form von Gedenktafeln und Mahnmälern an die Deportation Verfolgter hinterlassen (Stichwort: Polizeidurchgangslager). Die Weiterfahrt zum ehemaligen Durchgangslager Fossoli, von dem aus hauptsächlich jüdische Menschen in die Vernichtungslager verschleppt wurden, und der Besuch im Museum zur Erinnerung an die Deportationen im Nahe gelegenen Carpi vertiefte die Thematik der Judenverfolung und Bekämpfung des italienischen Widerstands durch den sog. „Bandenkrieg“. Auch die Verfolgung und Vernichtung von Sinti und Roma im italienischen Faschismus und unter deutscher Besatzung wurden von Studierenden in Bibliothek und Archiv der Fondazione Fossoli erarbeitet.

Deutsche Kriegsverbrechen: Aufarbeitung und Erinnerung

In Cumiana wurden die Repression des italienischen Widerstands und schwere Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung durch die SS thematisiert, was den Ort und die Erinnerung bis heute prägt. Marco Comello, Politikwissenschaftler und Buchautor, begleitete die Gruppe zu den Orten der Ereignisse. Deutsche Täterschaft und mangelnde juristische Aufarbeitung sowie Möglichkeiten der schulischen Vermittlung wurden hier diskutiert. Der Journalist Alberto Custodero berichtete von seinen Ermittlungen nach dem Ausführenden SS-Mann des Massakers in Cumiana, der seinen letzten Wohnort als unbescholtener Bürger in Erlangen hatte. Erlangen und Cumiana eint seit 2001 eine Städtefreundschaft.

Lehramtsstudierende und ihre Expertise

Der Leitgedanke der Exkursion war es, dass Lehramtsstudierende die fachwissenschaftliche sowie fachdidaktische Expertise gewinnen, um prospektiv eigenständig und praktisch die inhaltliche Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer Exkursion mit einer Schulklasse übernehmen zu können.

Ansprechpartner:innen

Lehrstuhl Didaktik der Geschichte FAU:

Leonard Stöcklein leonard.stoecklein@fau.de & Nadja Bennewitz nadja.bennewitz@fau.de


Sonntag, 24. Mai 2026: Bozen im Zeichen von Erstem Weltkrieg und Faschismus


Montag, 25. Mai 2026: „Totenburg“ am Passo Pordoi


Montag, 25. Mai 2026: Militärfriedhof St. Jakob in Bozen


Dienstag, 26. Mai 2026: Rovereto (Teilung der Gruppe)


Dienstag, 26. Mai 2026: Bozen im Faschismus (Teilung der Gruppe)


Mittwoch, 27. Mai 2026: Durchgangslager Fossoli


Mittwoch, 27. Mai 2026: Museo Monumento al Deportato Carpi


Donnerstag, 28. Mai 2026: Cumiana

Ein vermeintlich unbescholtener Bewohner Erlangens war im April 1944 ausführender Täter eines Massakers an 51 Zivilisten, Bürger von Cumiana. Historiker und Buchautor Marco Comello führte die Exkursionsgruppe durch Cumiana an die Orte der Ereignisse.


Freitag, 29. Mai 2026 – Piossasco und der Journalist Alberto Custodero


Freitag, 29. Mai 2026 – Turin und das Musuemsgefängnis „Le Nuove“


Samstag, 30. Mai 2026 – Nachhausefahrt


Video

Expertengespräch mit dem Journalisten Alberto Custodero im Kulturverein „Letture di Famiglia“ in Piossasco.